Texte
108 – Harte Musik? Heiliger Bimbam!
13. November 2007
Es ist so eine Sache mit harter Musik. Früher war ich im gerade ausgebrochenem postpubertären Wahn der Idee verfallen, dass durch besonders hartes Auftreten meine Chancen in der Frauenwelt um ein vielfaches steigen würde. Im Nachhinein eine ziemlich dämliche Vermutung, damals erschien mir dies jedoch hochgradig plausibel. Für einen Hänfling wie mich bedeutete das ein möglichst expressives hartes Erscheinungsbild auf dem Dancefloor des örtlichen Provinz-Tanzclubs. Die Art von Laden, bei denen man in der Pubertät die tollsten Ideen hatte, was da wohl für Leute ein und ausgehen. Wenn man selber in den Morast eingetaucht war, verschwand diese Faszination sofort, denn die vormals geheimnisvollen Gestalten erwiesen sich schnell als Nullen vom Format meiner selbst. Aber man lebte nun vom Nimbus, der einem selbst nun von Außenstehenden angedichtet wurde. Als ich in harter Musik versuchte mich, bei wem auch immer, anzubiedern, dann meinte ich damit Bands wie Faith No More oder Rage Against The Machine. Nirvana und Pearl Jam empfand ich zwar auch als ultrahart (was mir selbst schleierhaft erscheint, wenn ich im Nachhinein mal „Ten“ von Pearl Jam auflege), aber mir wurde schnell beigebracht, dass diese sowieso nicht „Independent“ genug wären. Fragen stellte ich damals keine, ich gehorchte den Gesetzen.
Keine Chance auf Schmusekurs mit der Justiz
12. November 2007
Im Juli diesen Jahres wurde ein Göttinger Student zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er auf einer Demonstration gegen Polizeigewalt einen Polizisten geohrfeigt haben soll. Die Frage, die heute morgen vor dem Landgericht beantwortet wurde, war folgende: kommt ein Richter damit durch, das Strafmaß von der Zugehörigkeit zu einer politischen Gruppe, hier dem schwarzen Block, abhängig zu machen. Die Antwort: Ja, kommt er. Das Berufungsersuchen des Angeklagten wurde abgelehnt.
Tom Tonk und 34 Schallplatten
11. November 2007
„Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen“, ein oft gewähltes Zitat, wenn sich der ein oder andere Rezensent schüchtern für sein Werk entschuldigen mag. Welch eine kolossale Fehleinschätzung. Welch unnötiges Konstrukt, wenngleich ich die Vorstellung tanzender Architekten nicht ganz verwerfen möchte. Natürlich kann man über Musik schreiben. Man kann sogar ganz hervorragend über Musik schreiben und zwar besonders dann, wenn man die Fähigkeit besitzt das Ohr, das Auge und den Stift (meinethalben auch die Tastatur) über den Rand der Platte hinaus zu werfen. In einer guten Rezension, oder in einem guten Text über Musik, muss ausgerechnet diese nicht unbedingt die erste Geige spielen. Das wäre todlangweilig und interessiert eh keine Sau. Tom Tonk scheint genau das begriffen zu haben und verschont uns mit langweiligen Texten, die ungefähr referieren, dass die erste Platte ja viel besser war und alles andere eben Scheiße. Nun, mit Abstufungen. Denn wenn es zumindest um AC/DC geht, gibt es kein vertuen. Nach Bon Scott war bei AC/DC alles anders, wie Tonk so schön schreibt. Des Pudels Kern ist, dass Tonk damit AC/DC völlig ausreichend abgehandelt hat und uns nun mit einer Unmenge Nebeninformationen beschenkt. Lebensweisheiten, die sich Tonk hart erarbeitet hat, mit viel Alkohol und
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Situation Leclerq
9. November 2007
Am 23. November beehrt uns die Elektrodiscorockformation Situation Leclerq aus Hannover/Hamburg in der Rodeobar. Hier nun schonmal ein kleiner Vorgeschmack in Form eines exklusiven Mailinterviews mit dem Bassisten Robert über musikalische Vorbilder, Tourerfahrungen und Bandproben. Wer seid ihr? Stellt euch kurz vor. Wir sind Sascha(Gesang, Drums), Shaun (Gesang, Gitarre), Nils (Synthie, Gitarre) und ich, Robert (Bass). Wie seid ihr zur elektronischen Musik gekommen? Wir machen schon lange zusammen Musik, hatten früher eine Indie-Rock/Punk-Band(Byron). Irgendwann haben einige von uns angefangen, in Clubs Platten aufzulegen. Erstmal Indierock, aber nach und nach kamen immer mehr elektronische Sachen dazu, dass passt im Clubkontext einfach besser. Das hat sich dann natürlich auch auf unsere eigene Musik ausgewirkt. Dass man Elektronik mit Gitarre mischen kann, haben ja Bands wie New Order oder Später The Rapture (u.a.) ganz gut vorgemacht. Ich würde uns jedoch nicht als Elektro-Band bezeichnen. Dafür sind wir schon noch zu sehr klassisch bandorientiert. Aber wir nutzen elektronische Hilfsmittel und Stilmittel, um unser Hauptziel zu erreichen: Unsere Musik club- und tanztauglich zu machen.
Mal gucken, was der Apparat noch so kann
7. November 2007
Apparat liefert mit „Walls“ ein dermaßen vielseitiges Album, dass jegliche Beschreibungen fehlen müssen. Was da ziemlich metropolenmäßig aus den Boxen schallt, hat mal ziemlich provinziell seinen Anfang genommen, nämlich in einer Kleinstadt im Harz, wo Sascha Ring aka Apparat am 27. Juni 1978 auf die Welt geworfen wurde. Hier beginnt er bereits erste Lieder zu basteln. 1997 tritt er die Flucht nach vorne an und macht sich auf nach, wie soll es auch anders sein, Berlin. Ab 1999 finden immer mehr von Apparats Elektronik-Tracks den Weg in die Plattenläden. 2001 erscheint Rings Debüt „Multifunktionsebene“ auf dem Berliner Label Shitkatapult. In den folgenden Jahren kommen Veröffentlichungen auf Ellen Alliens Label.
Alles Elite oder was? Kleine Anmerkung zur Exzellenzinitiative
4. November 2007
Die Uni Göttingen hat sich mit ihrem „Zukunftskonzept zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung“ bei der Exzellenzinitiative des Bundes beworben und konnte sich nun vor nicht all zu langer Zeit, auch durchsetzen. „Projektbezogener Ausbau der universitären Spitzenforschung“ zeigt an, in welche Richtung es geht: einerseits geht es um Forschung und nicht um die Lehre. Und andererseits geht es um projektbezogene Forschung, also nicht um ein durchgängig hohes Forschungsniveau, sondern um einzelne Spots, die aus der Masse herausragen.
StadtRadio bleibt auf Sendung
2. November 2007
Am Donnerstag berichtete das Göttinger Tageblatt über ein mögliches „Aus“ für das StadtRadio Göttingen. Ein weiterer Artikel in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung glänzt offenbar mit Unwahrheiten und erweckt den Eindruck, Stimmung gegen das StadtRadio machen zu wollen. Auch das Stadtmagazin goest vermutet einen Putsch im Sender. Das StadtRadio meldet unterdessen: wir machen weiter!
Here we stay again
1. November 2007
Es kommt Bewegung in den Streit zwischen Studentenwerk und den Bewohner_innen der letzten selbstverwalteten Wohnheime der Stadt. Vor einigen Tagen erreichte uns ein offener Brief des Studentenwerkes an die Kampagne Here to Stay, dicht gefolgt von einer Antwort der Mieter_innen. Nun gab es ein Treffen der beiden Parteien unter unerwünschtem Polizeischutz mit beachtenswerten Ergebnissen. Wir fassen die Geschehnisse der vergangenen Tage zusammen.
Harry Potter und die antifaschistische Bettlektüre
1. November 2007
Nun ist es endlich geschehen, das, worauf so viele so lange warten mussten: der neue Harry Potter ist nun auch auf deutsch erschienen. Zeit, dies Medien- und Kulturphänomen Harry Potter auch bei Monsters zu würdigen, handelt es sich doch um ein Musterbeispiel von anspruchsvoller antifaschistischer Jugendliteratur. Aber Achtung: wer das Buch noch nicht gelesen hat, sich das aber noch vorgenommen hat, das zu tun und deshalb nichts über das Ende erfahren möchte, dem sei von der Lektüre des Textes abgeraten. Hinterher dürfte es wohl nur noch begrenzt spannend sein.
MTV is killing me?!
30. Oktober 2007
Eine Frage des Geschmacks? Unter Menschen, die sich für kulturell auf der Sonnenseite zu wissen scheinen, gibt es immer so kleine Totschläger. Zwecks Abgrenzung bezieht man sich unübersehbar für die Umwelt auf das Buch, man verflucht das Fernsehen und listet höchstens das Kulturprogramm irgendwelcher Dritter in das eigene Ertragbare der Fernsehwelt. Und schon gar nicht MTV! Das ganze schlägt einem so umfassend in dem einen oder anderen Kreis entgegen, dass es nicht mehr als eine Floskel ist, ungefähr so brauchbar wie ein Kropf. Dabei ist das Medium des Videos an sich alles andere als zu verfluchen. Manch geachteter späterer Regisseur hat hier erste Schritte gewagt und keine Frage, es gibt eine ganze Menge fantastischer Videos, die in einer eigenen, ernsthaften Kunst- und Ausdrucksform bestehen. Und nun gibt es eine neue Kampagne: „MTV is killing me“ und trotz des bekannten Angriffs ist sie erfrischend anders. Geschichte. MTV wurde am 01. August 1981 gegründet. Ein Novum damals – zumindest in den U.S.A.! Eine völlig neue Art des Umgangs mit Musik, für manche heute prägend für eine Epoche.







