Texte

Here to Stay 2.0
29. Oktober 2007

Seit einigen Monaten haben sich die Bewohner_innen der letzten linken Wohnprojekte in Göttingen in der Kampagne Here to Stay organisiert. Für diese vom Studentenwerk vermieteten Häusern gelten als letzte noch kollektive Mietverträge. Als Notwendigkeit für die Schaffung linker Freiräume finden die Bewohner_innen – als Relikt aus überholten Zeiten meint das Studentenwerk. Letzteres will die kollektieven Mietverträge in einzelne umwandeln, was die Bewohner_innen als Angriff auf ihre selbstverwalteten Strukturen empfinden. Sie organisierten bereits eine Demonstration, eine Wanderkundgebung und eine Ausstellung über Häuserkämpfe in Göttingen, um auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Jetzt reagiert das Studentenwerk mit einem offenem Brief, in dem es jegliche politischen Absichten weit von sich weist und Here to Stay bittet, bei der Wahrheit zu bleiben. Wir dokumentieren an dieser Stelle diesen offenen Brief:


„Am Ende kommen Touristen“ – Gedanken zum Film und darüber hinaus
27. Oktober 2007

Auschwitz, Oświęcim und Polen – heute Dieser Film mit dem zunächst sehr wenig assoziativen Titel Am Ende kommen Touristen erzählt von den Erlebnissen und Problemen des jungen Deutschen Sven, der seinen Zivildienst in einer Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Polen macht – genauer gesagt in Oświęcim, dem Ort, der unter seinem deutschen Namen Auschwitz traurige Berühmtheit erlangte. Diese Stelle stand auf Svens Wunschliste nicht ganz oben – war aber die einzige, die er noch bekommen konnte. Sven soll sich unter anderem um den eigenwilligen KZ-Überlebenden Krzemiński kümmern, ihn zur verhassten Krankengymnastik bringen und zu Zeitzeugengesprächen begleiten. Er wird nicht nur mit neuen Aufgaben, einer fremden Sprache und der historischen Bedeutung des Ortes konfrontiert, sondern auch mit der eingespielten Routine der Vergangenheitsbewältigung. Als er auf die polnische Dolmetscherin Ania trifft und sich in sie verliebt, lernt er das Leben in Oświęcim jenseits der Begegnungsstätte kennen.


À bout de souffle – Godard’s Meisterwerk im Cinema
22. Oktober 2007

Die Entwicklung des neueren Kinos ist undenkbar ohne den Namen Jean-Luc Godard. Ein Name, eng verbunden mit dem französischen Kino, mit der Nouvelle Vague – dem ersten großen Angriff auf das amerikanische Mainstreamkino in den 60er Jahren. Die Nouvelle Vague entstand etwa Mitte 50er Jahre und ihr Ursprung war eigentlich, dass ist bemerkenswert, die Filmkritik. In der französischen Filmzeitschrift Les Cahiers du cinéma versammelten sich die Wortführer eines neuen Autorenfilms. Claude Chabrol, Francois Truffaut, Eric Rohmer und eben Jean-Luc Godard: Sie allen hatten für die Zeitschrift geschrieben und sich in irgendeiner Form auf Andrè Bazin1 oder Alexandre Astruc bezogen. Diese Filme waren anders, sie waren unkonventionell und versuchten sich abzusetzen von den herkömmlichen Strukturen des Genrekinos. Man verehrte die Werke von Hitchcock oder Rossellini – und aus der Autorengruppe selbst entstand ein prägendes Filmwerk.


Antitainment – auf ein neues!
22. Oktober 2007

Antitainment begann anders. Aus einem Witz, aus einem Wahnwitz. Der Bodensatz aus dem die Band dereinst gedeihen sollte, traf sich einstmals eher halbchaotisch und ohne das Instrumente wirklich beherrscht wurden, sandte man ein Demotape zu einem Talentwettbewerb. Auf diesem Tape gab eine schwedische Poppunkband ihr Bestes – Antitainment entstanden ein paar Experimente später. Über einige dieser Stadien sei der Schleier des Schweigens gelegt. An anderen Stellen hatte man die Qualität der Band längst erkannt – nur nicht bei mir. Als ich Antitainment das erste Mal gesehen habe, verzog ich mich in eine dunkle Ecke. Antitainment fanden alle total gut und da ich dem Pöbel keine Urteile zutraue (und zumindest in Göttingen eigentlich nicht ohne Grund), beschloss ich die Band grundsätzlich nicht zu mögen. Dann, auf der zweiten Show der Band in meiner Wahlheimat, konnte ich der Darbietung des Frankfurter Quartetts nicht aus dem Weg gehen. Danach kaufte ich ohne zu zögern die Platte, es wurden Worte gewechselt und es entstand das, was einer brauchbaren Plattenrezension immer im Wege steht: eine Beziehung. Auf „Cooler Plattentitel“ schafften Antitainment das Kunststück, kurz und bündig zu erklären, was auf einem Hardcore-Konzert im Allgemeinen geschieht: „Ey, ihr dahinten in der ersten Reihe, ihr habt’s gecheckt
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Schwul oder was?
19. Oktober 2007

Bereits zum zehnten Mal in Folge laufen in Göttingen gerade die LesBiSchwulen Kulturtage. Mit einer Vielzahl unterschiedlichster Veranstaltungen soll für die Rechte von schwulen, lesbischen und queer lebenden Menschen eingetreten werden. Solche sehen sich immer noch gesetzlichen Benachteiligungen und homophoben Übergriffen ausgesetzt, wie eine Studie aus dem Mai diesen Jahres zeigte. Dennoch begreifen sich die LesBiSchwulen Kulturtage als unpolitisch. Wir haben anlässlich des zehnjährigen Jubiläums mit Simone Kamin vom veranstaltenden K.O.-Team gesprochen.


Aktionswochenende zum Erhalt linker Freiräume
17. Oktober 2007

Linke Freiräume sind dieses Jahr ein großes Thema in Göttingen. Im Sommer feierte das Jugendzentrum Innenstadt, welches sich als einen solchen Freiraum versteht, seinen 25. Geburtstag. Die Kampagne Here to Stay kämpft seit dem Frühjahr für den Erhalt selbstverwalteter Wohnstrukturen in Göttingen. Die Antifaschistische Linke International zieht nun nach und veranstaltet am kommenden Wochenende ein Aktionswochenende „Linke Räume erkämpfen und verteidigen“. In diesem Rahmen findet auch das Fire & Flames Festival statt.


Zukunftsmusik: Shy Child und der Lärm hört nicht auf
13. Oktober 2007

Ich möchte den elektrobegeisterten MOG-Lesern hiermit den Kauf einer Platte nahe legen. Shy Child, dass sind die Anführer der amerikanischen New Rave-Bewegung, die den Globus gerade zerrockt. Sie gründeten Shy Child 2000, nachdem sie bei der dem ein oder anderen sicher bekannten Band El Guapo(Dischord) gespielt hatten.


Der Göttinger Literaturherbst sagt ab: Matinee mit Autor und Geschichtsverdreher Jörg Friedrich
13. Oktober 2007

Seit 1992 findet jährlich der Göttinger Literaturherbst statt, dessen selbstgesetzte Aufgabe es ist, „eine jährliche Momentaufnahme der Gegenwartsliteratur“ zu liefern. Daher werden von der Göttinger Literaturherbst GmbH die verschiedensten Literat_innen eingeladen, die dann vor Publikum aus ihren Werken lesen, Fragen beantworten und im Anschluß Widmungen in die verkauften Exemplare ihrer Bücher schreiben und was Literat_innen eben sonst noch so tun. Auch das diesjährige Programm wartet mit einiger Vielfalt auf. Inmitten dieser Vielfalt, von der der Göttinger Literaturherbst lebt, taucht jedoch ein Name auf der stutzig macht: Jörg Friedrich. Der Historiker Friedrich steht für seine Thesen bezüglich des alliierten Bombenkriegs gegen Deutschland in der Kritik und gilt als Geschichtsrevisionist und Holocaust-Relativierer. Die geplante Matinee-Veranstaltung wurde nun abgesagt.


Über Tokio Hotel, Kinder und das große Geschäft
13. Oktober 2007

Ein Fehler am Nachmittag Es ist eine der größten persönlichen Fehleinschätzungen, die ich da eines schönen nachmittags auf meiner Biedermeier-Couch hingelegt habe. Damals kam ich an einem Sommertag von der Arbeit, sinnentleert schaltete ich mich durch die schwarzen Löcher des nachmittäglichen Fernsehprogramms. Dabei blieb ich bei einem Kanal hängen, dessen Zielgruppe eine ältere ist und in den neuen Bundesländern, wie es so schön heißt, angesiedelt ist. Auf dem Marktplatz einer mittelgroßen Stadt hatten findige Event-Manager (Gerüstbauer) eine Bühne installiert um die herum Stuhlreihen angeordnet waren. In der Mittagshitze hatten hier Menschen Platz genommen, die das Arbeitsleben hinter sich hatten und die bei allen möglichen körperlichen Schwächen vor allem eines konnten, nämlich fröhlich in die Hände klatschen. Das Rhythmusinstrument des kleinen Mannes. Das musikalische Sturmgewehr der Schlagerkultur.


Das letzte linke Uniseminar
10. Oktober 2007

Dem Studium haftet immer noch die Eigenschaft an, Bildung zu verbreiten. Bildung allerdings ist nicht immer gleich Bildung. Sie meint in der einen Variante die Auseinandersetzung des je einzelnen Menschen mit seiner Umgebung und seinen Mitmenschen, um so so tatsächlich zu einem Individuum zu werden. In einer anderen Variante meint sie allerdings die Unterordnung des Menschen unter die Anforderungen der Gesellschaft: sie ist nichts als pure Ausbildung. In der Geschichte der modernen Bildung haben sich beide Prinzipien immer ein hartes Gefecht geliefert. Zur Zeit sieht es so aus, als hätte das (neu-) humistische Bildungsverständnis keine Chance im Vergleich zur totalitären Anforderung der Gesellschaft, sich ihr und ihren Notwendigkeiten bedingungslos zu unterwerfen. Und so besteht das für den Bachelor durchstrukturierte Studium aus standartisierten Lernmodulen, die individualisierte Stundenpläne und autonomes Lernen schon von vornherein ins Reich der Phantasie verweisen. Dazu kommt, das die (auch unabhängig davon) angebotenen Lehrinhalte eher dazu tendieren, die bestehenden Verhältnisse zu stärken – anstatt sie zu hinterfragen. Was allerdings, und darum soll es hier gehen, nicht für alle Seminare gilt. In einem langwierigen Prozess haben wir uns daher aufgemacht, die letzten kritischen Uniseminare für euch rauszusuchen. Viel gefunden haben wir nicht. Aber immer. Wer also zwischendurch Bedarf nach
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