Texte

Eilabschiebung verhindert Rechtsbehelf

Die Effizienz der Abschiebemaschine
13. April 2012

Mittwoch, 28. März: für den 27jährigen Sohrab A. beginnt ein Arbeitstag. Doch kaum bei der Arbeit, kommt alles anders als erwartet. Gegen acht Uhr wird er von der Polizei abgeholt. Sie vollstreckt die Abschiebung von Sohrab A. nach Armenien. Ein Wettrennen gegen eine komplexe Abschiebebürokratie beginnt, das Sohrab A. verliert.


"Stille Feiertage"

Dieses Wochenende: Feiern verboten
6. April 2012

Vielleicht ist es der einen oder dem anderen schon aufgefallen: An Feiertagen wie Karfreitag, Karsamstag und Volkstrauertag ist es schwierig gute Abendplanung zu finden. Grund dafür ist das sogenannte Tanzverbot, welches in allen deutschen Bundesländern in verschiedener Form vorkommt. Mal abgesehen vom Volkstrauertag haben die betroffenen Tage eines gemeinsam: Sie leiten sich aus der christlichen Tradition ab.


O-Phasen-Kritik

Alle Jahre wieder – Trinkspiele zum Kennenlernen?*
5. April 2012

Die O-Phase an der Uni geht heute vielfach mit einer Reihe von Spielen und Aktionen einher, bei denen es nicht nur ums gegenseitige Kennenlernen geht, sondern auch um die Schaffung von Gemeinsamkeit und Gemeinschaftsgefühl. So ist die Stadt und der Campus in den ersten Tagen des neuen Semesters Schauplatz von viel von außen kaum nachvollziehbarer Feierei, inklusive Singen, Ausziehen und jeder Menge Alkoholkonsum.


Grußworte zum zweiten Quartal

Entenflug im Zitatedschungel
2. April 2012

Die meisten haben ja schon mitbekommen, dass unser Ankündigungstext für die Kabale-Frühlingsparty am vergangenen Wochenende es in die Jungle World geschafft hat. Darüber haben wir uns natürlich gefreut und möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei der uns unbekannten Person bedanken, die da so aufmerksam mitgelesen und die Strippen gezogen hat. Das mit dem Frühling hat sich ja leider nun etwas relativiert, wie der Blick aus dem Fenster zeigt. Da haben die diesbezüglichen „Monsters-Informationen“, nach denen es die nächsten Monate sonnig bleiben soll, wohl etwas weniger Substanz gehabt als wünschenswert gewesen wäre. Immerhin existierten diese Informationen aber, ganz im Gegensatz zu dem angeblichen Kommuniqué der Antifa (M), dass hier eingegangen sein soll. Damit es auch wirklich allen klar ist: Diese Reunion und alles was dazugehört war natürlich frei erfunden und ein Aprilscherz


Überraschende Reunion

Autonome Antifa (M) gibt Neuanfang bekannt*
31. März 2012

Die Autonome Antifa (M) hat sich offenbar wiedervereint. „In Anbetracht der politischen Entwicklungen in der Stadt und der Region, aber auch der gesamten Bundesrepublik, haben wir uns entschlossen, nicht länger tatenlos zuzuschauen“, heisst es in einem Kommuniqué der Gruppe. Man wolle dem „Vormarsch des deutschnationalen Chauvinsmus in Zeiten der Krise“ auf allen Ebenen Einhalt gebieten und dem spürbaren Wiedererstarken der extremen Rechten lokal, aber auch bundesweit einen Kontrapunkt setzen – mit „allen Mitteln“. Daher strebe man eine erneute umfassende Reorganisierung der autonomen Szene an, mit dem Ziel, eine neue bundesweite Dachorganisation zu bilden, die „der Bewegung zu neuer Schlagkraft verhelfen“ soll. Die antifaschistische Gruppe hatte sich zu Anfang der 00er Jahre wegen interner Querelen gespalten.


Demo für Bleiberecht

„1, 2, 3, 4 – alle Menschen bleiben hier“
27. März 2012

Am vergangenen Samstag hatten verschiedene Initiativen zu einer Demo vom Rosenwinkel in die Innenstadt aufgerufen. Es galt, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam zu machen und die Solidarität der Mehrheitsgesellschaft zu mobilisieren. Drohende Abschiebung in zerstörte frühere Heimat, mangelhafte medizinische Versorgungsmöglichkeiten, Arbeitsverbote und Freiheitsbeschränkungen wurden kritisiert. Im Fokus standen auch die in Göttingen lebenden Roma, die im Jugoslawienkrieg fliehen mussten.


Erstsemester_innen-"Bettenlager"

Verbinder auf Fischzug
24. März 2012

Die vielen Studentenverbindungen in Göttingen stehen oft in der Kritik, sei es wegen Nähe zu Rechtsextremen, geschichtsrevisionistischen Umtrieben oder den überkommenden Rollen- und Selbstverständnissen. Ein Schreiben, das Monsters of Göttingen vorliegt, zeigt, dass entsprechend die Nachwuchsgewinnung für die Verbindungen immer schwieriger wird. Viel verspricht man sich davon, provisorischen Wohnraum für angehende Erstsemester auf Wohnungssuche anzubieten. „Feldbett frei“ wird so das neue „Zimmer frei“.


Musik statt "Wut und Zorn"

Hunderte raven gegen den Kapitalismus
17. März 2012

Der Aufruf zur Demonstration „Über die Verhältnisse leben – Gegen engere Gürtel und Kapitalismus!“ hat gestern abend knapp 500 Leute auf die Straße gebracht. Der Hybrid aus Demozug und Techno-Parade zog unter geringer Polizeibegleitung lautstark durch die Innenstadt. Das „Antikapitalistische Krisenbündnis Göttingen“, das zu der Versammlung aufgerufen hatte, wertet die Demo als vollen Erfolg. „Die TeilnehmerInnenzahl hat unsere Erwartungen übertroffen und von der ausgelassenen, freundlichen Stimmung sind wir begeistert“, so eine Sprecherin des Bündnisses.


Onlineplattform zum Zukunftsvertrag

Ende des „Dialogs“
16. März 2012

Mit großem Werbeaufwand begleitet die Stadt Göttingen den „Zukunftsvertrag“, den sie mit dem Land abschließen will. Dieser Pakt soll langfristig dazu führen, dass die Stadt entschuldet wird – dafür sollen aber in bedeutendem Umfang Leistungen beschnitten werden oder Beiträge erhöht werden. Insbesondere kulturelle und soziale Angebote sind betroffen. Zum Werbeaufwand gehört auch ein Internetportal, auf dem Bürger_innen ihre Meinung kundtun können. Aber nur noch bis heute abend.


Kommentar

It’s not enough to be leftwing
14. März 2012

Während die außerparlamentarische Linke die Auseinandersetzung um den „Zukunftsvertrag“ ignoriert, fahren einige Gruppen lieber nach Frankfurt um gegen Alles und Nichts zu demonstrieren. Die aktuelle linke Praxis in Göttingen scheint mehr von einer theologischen Zwei-Welten-Lehre geleitet zu sein, als von einem materialistischen Verständnis über gesellschaftliche Veränderung. Eine Gast-Kritik.