Texte
Dresden nach Bad Nenndorf holen
18. Juli 2010
Seit vier Jahren zieht das Wincklerbad vor allem Neonazis nach Bad Nenndorf, die dort ihren geschichtsrevisionistischen „Trauermarsch“ veranstalten. Mit knapp 800 Teilnehmern konnte das selbsternannte „Gedenkbündnis Bad Nenndorf“ 2009 fast doppelt so viele Neonazis in den Ort mobilisieren als im Vorjahr – für dieses Jahr werden rund 1200 Neonazis erwartet. Um den Aufmarsch zu verhindern, ruft das überregionale Bündnis „NS-Verherrlichung stoppen!“ zu Massenblockaden am 14. August in Bad Nenndorf auf. Unterstützung erhält es dabei von Göttinger Initiativen und Gruppen, die auf die Funktion des extrem rechten Aufmarschs hinweisen.
Hitze erstickt Protest gegen Burschis
11. Juli 2010
Bei Rekordtemperaturen von bis zu 38° ist es am Wochenende nur zu verhaltenem Protest gegen das Stiftungsfest der Burschenschaft Hannovera gekommen. An einer Kundgebung am Samstag am Gänseliesel nahmen etwa 60 Personen teil, weitere Proteste blieben größtenteils – anders als in den Jahren zuvor – aus. Die feiernden Burschis hingegen trauten sich offenbar nicht, ihr unter Polizeischutz stehendes Grundstück zu verlassen.
Junges Theater insolvent
10. Juli 2010
Das Junge Theater hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Hintergrund ist eine betriebsinterne Betrugsaffäre. Offensichtlich hatte eine Verwaltungsangestellte über Jahre hinweg Gelder unterschlagen – bis zu 300.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts der Untreue.
Sommer, Sonne, Freilichtkino
1. Juli 2010
Es ist wieder soweit: drei Mal die Woche baut das Kino Lumière im Freibad Brauweg seine aufblasbare Openair-Leinwand auf. Bis Ende August werden auf der Wiese neben den Schwimmbecken erfrischende Filme gezeigt. In der Tat ist in den vergangenen Jahren ein qualitativer Anstieg der vorgeführten Streifen zu verzeichnen. Das diesjährige Programm gleicht einem „Best-of“ der besseren B-Movies des zurückliegenden Jahres. Auch der eine oder andere Blockbuster hat sich eingeschlichen, sodass das Lumière sein eigentliches Programm in dieser Open-Air-Saison deutlich in den Schatten stellt.
20 Jahre anders arbeiten: Happy Birthday, Kabale!
29. Juni 2010
Die Geschichte des Kabale-Kollektivs beginnt so, wie es sich für eine linke Institution gehört: mit einer Besetzung. Nachdem es mit dem Voreigentümer Streitereien über die Lohnhöhe und Mitbestimmung gegeben hatte und dieser daraufhin die Schlösser des Cafés austauschte, entschied sich die Belegschaft zur Aneignung der Produktionsmittel.
WM-Nationalismus
Ein ganz normaler Fußball-Abend24. Juni 2010
Den ersten Hitlergruß an diesem Abend bekomme ich vor dem Salamanca in der Gartenstraße gezeigt. Ein Passant fühlt sich bemüßigt, die Nazi-Geste in Richtung des Lokals zu zeigen und findet das offenbar komisch. Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer hat gerade das Achtelfinale der Weltmeisterschaft erreicht.
Erfolgreicher Protest
Keine Abschiebungen ins Kosovo22. Juni 2010
Die Versuche von Stadt und Landkreis Göttingen, insgesamt 30 Roma ins Elend in das Kosovo abzuschieben, sind von zahlreichen Protesten begleitet worden. Höhepunkt war die Blockade eines Hauses im Blümchenviertel in der Nacht zum Dienstag, die den Polizeieinsatz zum Zwecke der Abschiebung zum Scheitern brachte. Das Verwaltungsgericht hat unterdessen die Abschiebungen von elf Roma-Flüchtlingen untersagt. Weitere Flüchtlinge sind untergetaucht oder befinden sich im Kirchenasyl. Letztlich ist wahrscheinlich keiner der 30 Menschen abgeschoben worden.
Polizei findet Antwort auf Kritik: Polemik und Diffamierung
18. Juni 2010
Gewohnt an einen eher konservativen und recht kritiklosen Berichterstattungsstil gab es für Leser des Göttinger Tageblatts am vergangenen Samstag plötzlich eine Überraschung: Ein Kommentar unter dem Titel »wer Pizza sucht, findet Pizza« nahm die wenig überzeugenden politisch gefärbten Verlautbarungen der Polizei zu den Ermittlungen beim vorgeblichen Brandanschlag in der Ausländerbehörde aufs Korn. Aber Kritik will sich die Polizei nicht bieten lassen und hält polemisch dagegen.
Rat spielt Demokratie: Südspange wird nicht gebaut
15. Juni 2010
Das Votum der Göttinger Bevölkerung ist eindeutig: 60,7% der 37.830 gültigen Stimmzettel hatten ihr Kreuz beim „Nein“ gegen die Südspange. Das gab die Stadt heute nach der Auszählung bekannt. Seit dem 25. Mai konnten die Göttinger*innen per Briefwahl darüber abstimmen, ob die Stadt mit den Planungen für den Bau der umstrittenen Umgehungsstraße beginnen soll. „Alle Planungen werden jetzt eingestellt. Das Projekt Südspange ist beendet“, kommentierte SPD-Oberbürgermeister Wolfgang Meyer das Ergebnis.
Happy End in der Roten Straße?
12. Juni 2010
Offensichtlich stellt sich sämtliche Kritik, die am polizeilichen Vorgehen um das Feuer im Kreishaus und die Hausdurchsuchung in der Roten Straße geübt wurde, als richtig heraus. Einem Bericht des Göttinger Tageblatts zu Folge soll das Ermittlungsverfahren eingestellt werden, Beschuldigte hätten Staatsanwaltschaft und Polizei nicht ausfindig machen können. Der angeblich „szenetypische Brandsatz“ stellt sich als manipulierte Klebstofftube heraus.







