Texte
Bildungsstreik: Besetzung als Ouvertüre zum Wintersemester
12. November 2009
Die Besetzung des Audimax der Uni Wien ging durch die unabhängigen Medien und prägte den Slogan »Uni brennt«. Mit dem Semesterbeginn flammten auch in vielen anderen Städten die Bildungsproteste wieder auf. So machen derzeit Besetzungen an vielen Universitäten Schlagzeilen – leider noch vor allem in unabhängigen Medien. Der »Bildungsstreik« meldet sich jetzt auch in Göttingen öffentlichkeitswirksam zurück.
Mord und Totschlag im Zeltlager oder: das Zeitalter der Fische – „Jugend ohne Gott“ im JT
8. November 2009
Die Jugend von heute ist verroht, verrottet, vernachlässigt und von allen guten Geistern verlassen. So etwas wie eine ‚anständige‘ Pubertät gibt es eigentlich gar nicht mehr. Soweit, so schlecht. Im Jungen Theater hatte gerade ein Stück Premiere, das einen faschismuskritischen Roman von 1937 mit jugendlicher Gegenwart rund um Liebe, Sexualität, Gewalt, Web 2.0, YouTube und der ‚Killerspiel‘-Debatte verknubbelt und auf die Bühne bringt – ein ziemlich waghalsiges Unterfangen.
Prozeßauftakt gegen Göttinger Antirassisten in Hamburg
22. Oktober 2009
Ein Polizist fällt um und liegt am Boden. Die Demonstrant*Innen auf der Abschlussdemonstration des letztjährigen Antira-Camps am Hamburger Flughafen, die zuvor noch um ihn herumstanden, entfernen sich hektisch. Sie wissen, dass es nicht gut ist, neben einem umgefallenen Polizisten stehen zu bleiben. Denn Polizist*Innen sind standfest, fallen nicht einfach um, stolpern nicht und bleiben nie am Bordstein hängen. Ergo, fallen sie um, dann wurden sie von Umstehenden angegangen und dass muss geahndet werden.
Homophober Moslem, toleranter Westen?
21. Oktober 2009
Homosexualität ist in der so genannten „islamischen Welt“ kein gerne gesehenes gesellschaftliches Phänomen, so ein gängiges Vorurteil vieler in der „westlichen Welt“. Letztere wird den islamisch geprägten Ländern im Diskurs dann gerne als besonders freiheitlich und homosexuellenfreundlich gegenüber gestellt. Der Soziologe Georg Klauda kommt in seinem Buch Die Vertreibung aus dem Serail zu einem anderen Ergebnis als viele Medien und auch linke Debattenbeiträge: Homophobie sei ein Import aus dem Westen, konstatiert er. Am Montag, den 26.10., hält Klauda einen Vortrag im Göttinger Apex. Im Folgenden stellt der Autor seine Thesen vor.
Mew’s Platte mit dem langen Namen
19. Oktober 2009
Ein dänischer Freund sagte mal zu mir “Wir haben es gut, wir haben unsere eigenen Radiohead!“ Starke Worte. Nebenbei, Radiohead konnte ich noch nie wirklich was abgewinnen. Kompositorisch durchaus interessant, wenn ich mich aber zwischen total toll und eher total scheiße entscheiden müsste, würden die Briten letzen Kommentar kassieren (mit Einschränkungen). So mancher Indie-Slacker wird sich jetzt ins Höschen machen. Bei Mew sieht alles völlig anders aus. In meiner kleinen Hierarchie genialer Bands stehen sie ziemlich weit oben. Die Band mit dem manchmal fragil gewagten Falsett-Gesang hat sich noch nicht einen dokumentierten Ausrutscher erlaubt.
Im Weltraum hört dich niemand schreien – Pandorum
13. Oktober 2009
Schon mal was von Pandorum gehört? Nein? Kein Wunder. Wie sollen Normalsterbliche der Gegenwart auch jemals von einer psychischen Störung gehört haben, die sich gelegentlich bei längeren Flügen durch den tiefen Weltraum einstellt? Zumal diese Krankheit auch noch fiktiv ist. Psychologie mal beiseite, Pandorum ist auch der Titel eines aktuellen Science Fiction- / Horrorfilms, der vom Schicksal der Besatzung des Kolonisierungsschiffs Elysium handelt. Dieses wird in ferner Zukunft gestartet, um den erdähnlichen Planeten Tanis zu besiedeln.
Ihm hätte es gefallen: Johnny Cash im DT
12. Oktober 2009
„Der Mann in Schwarz“ ist der Titel des Stückes, mit dem sich das Deutsche Theater Göttingen dem Leben und den Liedern von Johnny Cash gewidmet hat. Nach drei Stunden Spiel-, Spaß und Musizierzeit sitzt ein alter John im schwarzen Anzug tot in seinem Ledersessel auf der Bühne des DT. Zurückgelassen hat er ein begeistertes Publikum, das kurz darauf in förmliche Begeisterungsstürme ausbricht – und das völlig zu Recht, denn dieses Theaterstück ist ein Meisterwerk. Ohne übertreiben zu wollen.
Die Homezone in der Zukunfts-Stadt oder: „There will always be Eintopf!“
7. Oktober 2009
In dem von Katja Fillmann inszenierten Stück „Homezone“, das das Deutsche Theater zur Zeit in einem alten Pathologie-Hörsaal der Göttinger Uni zeigt, geht es um Studierende. Dies sind ja spätestens seit den letzten und immer noch um sich schlagenden Unistruktur-Reformen mehr und mehr bemitleidenswerte Gestalten. Und eben deren Lebensalltag zu erforschen machen sich in „Homezone“ die beiden Protagonist*Innen und zugleich einzigen am Stück beteiligten Schauspieler*Innen Anja Schreiber und Karl Miller zur Aufgabe – und verknüpfen dabei geschickt Kritik mit Humor.
Chemikalien der anderen: Polizei durfte nicht durchsuchen
30. September 2009
Scharfe Worte fand der Präsident des Göttinger Verwaltungsgerichts, Thomas Smollich, im Prozeß gegen die Göttinger Polizei. Er habe „erhebliche Zweifel“, dass die BeamtInnen das Wohnhaus durchsucht hatten, weil sie Leib und Leben der BewohnerInnen in Gefahr sahen. Und auch der Einsatzleiter gab vor Gericht zu: „Ich war mir über die Rechtsgrundlage nicht im Klaren.“ Das Verwaltungsgericht hat am Montag die Durchsuchung mehrerer Wohnungen für rechtswidrig erklärt, nachdem sich die Polizei geweigert hatte, sich bei den BewohnerInnen zu entschuldigen.
Björn Kleinhenz – B.U.R.M.A.
25. September 2009
Be undressed and ready my angel. Eine sehr amerikanische Art, romantisch zu sein. Björn Kleinhenz betitelt sein neues Album nach einer Akürzung, die amerikanische Soldaten im 2. Weltkrieg in Briefen an ihre Liebsten verwendeten. In einem Interview sagt er dazu, er wollte diese Floskel (oder die Abkürzung) schon immer mal verwenden. Verstehen muss man das wahrscheinlich nicht.







