Anzeigen und Hausverbote durch Studentenwerksvorstand

Lästige Wohnrauminitiative
von am 7. Oktober 2014 veröffentlicht in Soziale Bewegungen, Titelstory
Das Haus in der Humboldtallee 9 (Archivbild)
Das Haus in der Humboldtallee 9 (Archivbild)

Mit Hausverboten und Anzeigen hat heute das Studentenwerk auf kritische Nachfragen von BewohnerInnen reagiert. AktivistInnen der Wohnrauminitiative hatten vehement Mitsprache bei der Belegung einer Wohnung in der Humboldtallee eingefordert. Im Anschluss an eine Begehung verweigerte Studentenwerksvorstand Magull jegliche Gespräche und ließ letztlich Hausverbote durch die Polizei aussprechen.

Seit einigen Tagen streiten sich Wohnrauminitiative und Studentenwerk wieder heftig. Die Wohnrauminitiative hatte zuletzt ein Zeltlager für Wohnungslose Erstsemester-Studierende eingerichtet. Zugleich kämpft die Wohnrauminitiative auch um die Nutzung einer Dachgeschosswohnung in der Humboldtallee 9, die das Studentenwerk mit ausländischen Studierenden belegen möchte. Die Hausgemeinschaft hingegen fordert ein Mitspracherecht bei der Belegung der Wohnung.

Die Wohnrauminitiative ist ein Zusammenschloss von BewohnerInnen kleinerer Wohnheime. Deren Zahl hatte das Studentenwerk zuletzt deutlich verringert und damit die Anzahl der Wohnheimsplätze verknappt. Auch teure Sanierungsvorhaben und ein sehr restriktiver Umgang mit Mietbedingungen hatten zuletzt Unmut bei den BewohnerInnen ausgelöst.Laut Selbstdarstellung geht es der Initiative um günstigen Wohnraum in Göttingen. Allerdings streite man auch für den Erhalt einer bestimmten Wohnkultur – abseits von anonymen Wohnheimen und jugendherbergsmäßiger Zentralverwaltung.Lautstarker Empfang

Zuvor war bekannt geworden, dass die leerstehende Wohnung in der Zwischenzeit aufgebrochen und bewohnt wurde. Nach einer postalischen Drohung mit Anzeigen gegen die restliche Hausgemeinschaft sollte heute eine Begehung stattfinden. „Angesichts der Drohungen wollte die Hausgemeinschaft jedoch nicht alleine da stehen“ so ein Hausbewohner. Man habe deshalb öffentlich um Unterstützung während der Begehung gebeten.

So fanden sich ca. 50 AktivistInnen vor dem Haus ein, die Studentenwerksvorstand Magull lautstark empfingen. Die Begehung konnte jedoch ungehindert stattfinden. Die AktivistInnen forderten anschließend Verhandlungen über die Nutzung der Wohnung. Thomas Winkelberg von der Wohnrauminitiative zufolge geht es darum, dass die Hausgemeinschaft mitbestimmen möchte, wer dort einzieht. Schließlich nutze man sanitäre Anlagen gemeinsam und „würde sich in einem so kleinen Haus ohnehin ständig über den Weg laufen“.

Gesprächsverweigerung durch Studentenwerksvorstand

Auf ein Gesprächsangebot ging Magull jedoch nicht ein. Ein mögliches Gespräch könne man aber nach vorheriger Terminvereinbarung gerne führen. Thomas Winkelberg zufolge ist das wenig hilfreich: Vergangene Gespräche hätten gezeigt, dass Magull „sich ohnehin keinen Zentimeter bewegt“. Zudem habe es bereits 2013 Absprachen gegeben, die eine Mitbestimmung der Hausgemeinschaft bei der Belegung der Wohnungen vorsahen. Das leugne das Studentenwerk aber heute.

Dementsprechend aufgebracht waren einige AktivistInnen, die Magull auf dem Weg zu seinem Büro begleiteten. Immer wieder wurde ihm vorgeworfen, mutwillig Wohnraum einzudampfen, sich nicht an Absprachen zu halten und kein Gespür für die Nöte der Studierenden zu haben. Magulls Umgang damit war wenig professionell: Er sagte einfach nichts mehr. Auch auf Nachfragen von PressevertreterInnen zu unterschiedlichen Sachverhalten reagierte er nicht.

Bewusst herbeigeführter Polizeieinsatz

Anstatt sich in sein Büro zu begeben, präsentierte sich Magull jedoch eine knappe halbe Stunde im Mensafoyer – offenbar ohne besonderen Grund. Die AktivistInnen forderten Ihn wiederholt zu Gesprächen auf, was er jedoch mit Schweigen kommentierte. Auch auf Nachfragen von MoG, ob sein Schweigen nun eine Ablehnung von Gesprächen sei, reagierte er nicht. Erst als überraschend die Polizei eintraf, brach er sein Schweigen und teilte mit, dass die AktivistInnen nun Hausverbot hätten. Gegen eine Aktivistin, die ihn besonders hartnäckig mit Fragen traktiert hatte, stellte er Anzeige und sprach von Belästigung.

Die Wohnrauminitiative kritisierte Magull am Abend in einer Pressemitteilung scharf und forderte ihn auf „an den Verhandlungstisch zurückzukehren“. Ob das klappt, bezweifelt indes auch Thomas Winkelberg: Es gebe mit Magull schlicht keinen Dialog.

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Ein Kommentar auf "Lästige Wohnrauminitiative"

  1. pepepeterson sagt:

    also ich finde, dass man das (ganz abgesehen vom Verhalten des Studentenwerkes mal) sehr scharf reflektieren sollte.
    Bei dem von Euch hier vorgestellten Beispiel soll ausländischen Studierenden geholfen werden, eine Wohnung zu finden. Das hat nichts mit „Wohnraummangel“ in Göttingen zu tun. Der Wohnraum ist da und wird auch genutzt.
    Die Argumtente dagegen, die hier inhaltlich dagegen angebracht werden, sind ja lediglich:
    „die Hausgemeinschaft mitbestimmen möchte, wer dort einzieht. Schließlich nutze man sanitäre Anlagen gemeinsam und “würde sich in einem so kleinen Haus ohnehin ständig über den Weg laufen”.“

    Geht’s noch? Merkt Ihr was? Das ist haargenau die gleiche Argumetnation wie jedes sächsische Dorf sie gegen Flüchtlinge führt. „Wir kennen die nicht, die sind dreckig“ Fehlt nur noch, dass sie „klauen und kriminell“ sind.

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