Neonazis bei der Eröffnung

Tattoo-Studio von Vermummten zertrümmert
von am 19. Januar 2013 veröffentlicht in featured, Soziale Bewegungen

Das Tattoo-Studio „Jenny B.“ in der Roten Straße wurde am Tag seiner Eröffnung von Vermummten gestürmt. Zehn bis 20 Unbekannte schlugen mit Baseballschlägern die Fensterfront ein und zerstörten Teile des Inventars. Die anwesenden Gäste, darunter auch junge Familien und eine Kindergartengruppe, waren schockiert. Die Kinder seien verstört gewesen. Der Grund für den Angriff: Drei aus Northeim bekannte Neonazis waren im Laden anwesend.

Jennifer F. ist eine international bekannte Tattoo-Künstlerin. Sie betreibt drei Geschäfte: in Berlin, in Paderborn und in Kassel. Die vielen Göttinger Kund*innen sollten nun auch eine Filiale in der Leinestadt bekommen. Am Samstag, den 19. Januar um 12:00 Uhr war es soweit: Es kamen unter anderem Gäste aus Paderborn und Kassel, um bei Live-Musik und Sekt die Eröffnung zu feiern. Was die Besitzerin möglicherweise nicht wusste: Auch drei Neonazis aus Northeim sollen vor Ort gewesen sein.

Glas geht zu Bruch, Kinder in den Keller evakuiert

Der Angriff wird von den Gästen der Feier so geschildert: Gegen 14:00 Uhr sei ein Trupp Vermummter auf den Laden zu gekommen. Mit Baseballschlägern hätten sie die Frontscheibe eingeschlagen. Eltern hätten panisch ihre Kinder von der Glasfront weg geholt, die dort gespielt hatten. Die ebenfalls anwesende Tochter von Jennifer F. habe geschrien: „Hier sind Babies, hier sind Kinder!“ Das schien die Vermummten nicht davon abzubringen, den Laden zu betreten und eine Vitrine zu zertrümmern. Sie sollen gerufen haben: „Ihr scheiß Nazis, verpisst euch, geht nach Hause.“ So schnell wie sie gekommen waren, gingen sie wieder davon – angeblich die Rote Straße hinauf.

Mehrere Einsatzwagen der Polizei rückten an. Die Gäste standen noch unter Schock, als sie zu dem Angriff befragt wurden. Da die Angreifer*innen jedoch vermummt waren, konnten sie keine Personenbeschreibungen abgeben.


Das Tattoo-Studio nach dem Angriff

Gegen 18:00 Uhr rückte die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Göttinger Polizei an. An der Einmündung zur Roten Straße stand ein Einsatzwagen der Polizei, um den Laden zu bewachen. Viele der Gäste waren inzwischen gegangen. Ein paar aus Kassel und Paderborn ist geblieben. Für die Aktion der Vermummten zeigt Alexander F., ebenfalls Gast auf der Eröffnung, nur Unverständnis: „Wenn wir gewusst hätten, dass hier Nazis anwesend waren, dann hätten wir sie rausgeschmissen“, sagte er. „Da hätte man doch drüber reden können. Aber hier so reinkommen und alles zertrümmern, das geht nun gar nicht!“

Neonazis aus Northeim – Bekennerschreiben auf Indymedia

Auf Indymedia teilte eine Gruppe unter dem Namen „antifas“ mit, dass sie die Northeimer Neonazis Marcus G., Sascha B. Und Bianca R. auf der Eröffnung gesichtet hätten. Diese wären eine Woche zuvor auf einer NPD-Kundgebung in Northeim gewesen. Die Polizei bestätigte am Abend die Anwesenheit der Nazis. Jennifer F. sind diese Personen unbekannt, sagt sie. Ob es sich bei dem Angriff um eine spontane oder eine geplante Aktion handelt, ist bis jetzt unklar.

Die Tattoo-Studios „Jenny B.“ beschäftigen internationale Künstler*innen: In Göttingen arbeiten unter anderem ein Filipino und eine Polin mit jüdischen Wurzeln. Ein Künstler aus Neuseeland und einer aus der Türkei sollten bald dazustoßen. Es ist Jennifer F. unangenehm, das nun extra erwähnen zu müssen, weil es für sie normal ist, international zu arbeiten, sagt sie. Ebenfalls normal sei es für sie, homosexuelle Freunde zu haben. In Anbetracht der Bedrohung, der sie heute ausgesetzt war, wollte sie das nochmal betonen. In ihren anderen Filialen wäre so etwas noch nie passiert, sagt die Tätowiererin. Ob sie den Laden in Göttingen weiter betreiben wird, weiß sie noch nicht.

Die Rote Straße wurde den Rest des Abends massiv von der BFE-Einheit der Göttinger Polizei bewacht. Eine für 20 Uhr angekündigte Demonstration gegen Neonazis vor dem Tattoo-Studio wurde wieder abgesagt. Der Demo-Anmelder sagte zu MoG, die Polizei habe ihm dazu geraten. Angeblich gebe es Verwicklungen des Studios mit Rockerbanden aus Kassel, die er nicht mit einer Demo provozieren wollte. Die Polizei widersprach dieser Darstellung auf Nachfrage.

Die Polizei hat erwogen, nach dem Überfall das linke Wohnprojekt in der Roten Straße zu durchsuchen, allerdings nach „Prüfung der Rechtslage durch die Staatsanwaltschaft Göttingen“ davon abgesehen, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Staatsschutz ermittelt wegen Landfriedensbruchs, schweren Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung.

Text: Wieland Gabcke

[Anmerkung: Am 22.1. wurde die missverständliche Wortwahl im ersten Absatz, die Kinder seien traumatisiert gewesen, geändert. Die korrekte Bezeichnung lautet, dass sie verstört waren, da eine Traumatisierung erst mit zeitlichen Abstand festgestellt werden kann. Die Wortwahl basierte auf einem Augenzeugenbericht. Der Begriff „Kindergartengruppe“ wurde bereits in der Kommentarspalte richtig gestellt.]

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32 Kommentare auf "Tattoo-Studio von Vermummten zertrümmert"

  1. itcanbeoktobebastard sagt:

    Liebe Göttinger_Innen ! Wer kümmert sich bei Euch eigentlich um den Nachwuchs ?
    Seid Ihr sicher , daß Ihr da wirklich fähige Leute am Start habt ?
    Antifaschistische Grüße aus dem Hunsrück !

  2. itcanbeoktobebastard sagt:

    Ach so , eins noch : Vergeßt bei der ganzen Aufregung nicht , Euren arschigen Innenminister abzuwählen …falls Ihr daß eigentlich heute vorhattet. Ihr wißt ja , wie daß geht … Erststimme und so , gelle ? Küßchen!!!

  3. Bum tzk sagt:

    „Kindergartengruppe“?

    Welcher KiGa hat denn bitte samstags auf und wählt außerdem als Ausflugsziel die Eröffnungsfeier eines Tattoostudios?!

    Wohl eher nicht. Als Steilvorlage für weitere Dramatisierungen aber bestens geeignet…

  4. antifagoe sagt:

    Am Samstag, den 19.1., hielten sich drei stadtbekannte Nazis (Marcus G., Bianca R., Sascha B.) in einem Laden in der Göttinger Innenstadt auf. Als Reaktion darauf begaben sich einige Antifaschist_innen zum Laden, um klar zu machen, dass Nazis in Göttingen immer auf Widerstand stoßen werden. Im Laufe der Auseinandersetzung wurden die Fensterscheibe des Ladens und ein Teil des Inventars beschädigt. Personen wurden hierbei nicht verletzt.

    Als Antifaschist_innen finden wir es notwendig, Nazis keine Räume zu überlassen und menschenverachtende Ideologien zu bekämpfen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist natürlich stets unerlässlich abzuwägen, welche Vorgehensweise angebracht ist. Wenn sich Nazis in Göttingen zeigen, mussten und müssen sie immer damit rechnen, angegangen zu werden.

    Um deutlich zu machen, dass Faschist_innen und ihre Propaganda hier und überall sonst nicht akzeptiert werden, gibt es heute um 16 Uhr eine Kundgebung am Gänseliesel.

    Kommt zahlreich!
    Zusammen auf die Straße – gegen Nazis!

    Göttinger Antifaschist_innen


    Anm. d. Redaktion: Die Namen der Nazis haben wir aus Gründen des Persönlichkeitsrechts anonymisiert.

  5. lu sagt:

    Liebe Monsters, was hat es denn nun mit dieser „Kindergartengruppe“ auf sich? In Kommentar 3 wurde das ja schon angemerkt: eine Kiga Gruppe, am Samstag? Und dann auch noch mit dem kindgerechten Ausflugsziel „Tatoostudio“?

  6. Wieland Gabcke sagt:

    Es handelte sich nicht um einen offiziellen Besuch einer Kindergartengruppe, sondern um Familien mit Kindern, die alle der selben Kindergartengruppe angehören. Insofern sollte es besser heißen: „darunter auch eine Gruppe von Kindergartenkindern“. Es war nicht beabsichtigt, eine „Steilvorlage für weitere Dramatisierungen“ zu liefern.

  7. Das ist – und das heißt was – mit Abstand der schlechteste Artikel, der bisher auf Monsters erschienen ist. Da kommt irgendein dahergelaufener Hanswurst, der sich jetzt offenbar für den neuen Stefan Aust hält, und schreibt so eine peinliche Scheiße zusammen. Selbst das GT war da ja fairer und wenigstens nur die PM der Bullen 1:1 übernommen, anstatt sie – wie unser selbsternannte Kai Diekmann hier – auch noch mit tollen, dramatischen Zitaten zu spicken. Tolle Sache, da musste der Wieland wohl noch unbedingt Beweisen, dass er auch ja seine Arsch hochbekommen hat und sowohl mit jedem Deppen gesprochen hat, der sich auch nur in der Nähe des Ladens aufgehalten hat, als auch mit den Bullen und dem Demoanmelder, der eigentlich nur ne Kundgebung anmelden wollte. Und nächste Woche kommt dann exklusiv das Beichtinterview mit den Trotteln, die den Laden eingeworfen haben, mit unserem neuen Stern am Journalistenhimmel Oprah Winfrey aka Wieland Gabcke, oder was?
    Willste dich mit dem Bockmist irgendwo bewerben (Bild vielleicht?) oder schreibst du immer so ne Scheiße zusammen?

  8. Oh, und versteht das nicht falsch – die „Aktion“ an sich ist so dermaßen dämlich, das kann man kaum in Worte fassen. Einige Leute in der linken Szene (Roten Straße?) sollte eindeutig weniger Klebstoff schnüffeln, und mal lieber das kleine Autonomen-Einmaleins nachpauken. Das einzige, was gezeigt hat, dass da ja irgendwo noch ein Rest Hirn vorhanden zu sein scheint, ist, dass sie den Anwesenden nicht noch ihren Perso in die Fresse gehalten haben. Aber wer weiß, was nächstes mal passiert…

  9. Rakete sagt:

    Und deine Kritik ist jetzt welche, außer dass sich der Autor am Ort des Geschehens umgehört hat? Wird bei deinen Beschimpfungen nicht ganz klar. Erstmal Luft holen, würde ich sagen.

  10. Fernseherin sagt:

    Danke H.P. Baxxter, dass Du alle Artikel gelesen hast, die hier je erschienen sind 🙂

    Eine inhaltliche Kritik ist in deinen Ausführungen wirklich nicht erkennbar. Dafür falsche Behauptungen, etwa über den GT-Artikel. Der erschien schon Stunden vor der Pressemitteilung der Polizei, kann diese also inhaltlich gar nicht übernommen haben.

  11. mona sagt:

    dieser monsters artikel ist m.E. absolut prätentiös und effekthascherisch.

    bereits die überschrift: nicht einmal das GT („Überfall auf Tattoostudio“) oder der extra tipp („Scheibenbruch!“) versucht dermaßen mit martialischen Begriffen aufzutrumpfen wie der Autor mit der „Zertrümmerung“ eines Studios(!) durch „Vermummte“ !
    Zertrümmern erinnert wohl mehr an kriegszustände, nach absoluter zerstörung, bei welcher nur trümmer übrig bleiben. 2000 euro schaden (extratipp) klingt da schon um einiges sachlicher, vor allem wenn man bedenkt, dass solche scheiben mit entsprechendem namenszug bereits sehr viel kosten dürften.

    weiterhin werden die nazis nur nebenbei und erst am ende des ersten absatzes erwähnt – NACHDEM kindergartenGRUPPRE, die jungen familien, und noch einmal die kinder im gegensatz zu den 10-20 rangestürmten vermummten, den baseballschlägern und dem trauma der kinder kontrastierend genannt werden und die sitution dadurch noch eindrucksvoller und dramatisiert erscheint.
    die nazis hingegen werden völlig untern teppich gekehrt.

    danach wird die werbetrommel für die tattoobesitzerin angeschmissen, eine liebliche feier mit sekt, livemusik und babies geschildert und dann kommen plötzlich wieder die schreienden frauen usw. – wieder die verstärkung durch kontrastierende schilderung.
    dafür, dass die personen traumatisiert und unter schock standen, hat der „reporter“ wirklich zahlreiche (irgentwie aber unwichtige details – livemusik und sekt? aha) details herausgefunden – hut ab.

    die tat ist definitiv unter aller sau gewesen, das steht ausser jeder frage!!!!! MIch macht es sehr wütend, dass so ein Mist verzapft wurde!

    Dieser artikel macht es mich aber auch.
    anstatt verschiedene informationsquellen zu nutzen, und einen differenzierten artikel zu schreiben, wenigstens andere Quellen zu befragen ausser den Polizeibericht und der subjektiven und wahrschienlich in der situation völlig überforderten und perplexen augenzeugen, oder wenigstens diese ein wenig sachlicher und differenzierter zu behandeln, haut dieser MOG-Autor völlig in die kerbe, dramatisiert, und versucht aus der situation für sich kapital zu schlagen und sich in szene zu setzen, koste es was es wolle, auch wenn er der linken (deren ruf durch die sache wieder mehr gefährdet ist, siehe kommentare bei GT) damit in den rücken fällt.

  12. nichtschwarzweiss sagt:

    Erstmal möchte ich mich entgegen den meisten anderen Kommentare hier und auch auf anderen Seiten, mich hinter den „Angriff“ stellen. Die Dreistigkeit mit der gerade versucht wird im Göttinger Umland faschistische Kräfte zu forcieren ist einfach nicht mehr hinnehmbar. Auch die Wahl des „Fluchtweges“ der anscheinend sehr offensichtlich war, finde ich setzt ein klares Zeichen!
    Wenn sich hier wirklich so viele „Genoss*Innen“ an dem Vorgehen stören, wo waren denn eure Aktionen an dem Tag? Oder war die Information vor ab nur den Anwesenden zugänglich? Das Kritik nicht immer konstruktiv sein muss ist klar, aber die Situation hat nun einmal ein Handeln erfordert.
    Ich finde auch diese „Kindergeschichte“ als Aufreißer ziemlich unsinnig und der Stil dieses Artikel zeugt nicht gerade von den besten „Monster Qualitäten“. Außerdem habe ich als Außenstehender den Eindruck, dass besonders über die Stadtverteiler und auf den „bekannten Blogs“ immer wieder auf Troll Spam reagiert wird. Warum gebt ihr den Leuten so viel Raum für inhaltslose Kritik, die einzig und allein das Wirken der Antifaschist*Innen auf bestimmte Aktionen reduziert?
    Die Frage ist doch, warum sich die Nazis schon so weit raus wagen, sicher haben sie in Niedersachsen in den letzten Jahren intern an Kraft zulegen können aber auch die immer weiter in sich zerrissene Linke (Es gibt und gab nie die „Linke“ aber ich ich hoffe es ist klar was gemeint ist) wird als Ansatzpunkt für Angriffe gesehen und genutzt.
    Es geht nicht darum, dass sich alle lieb haben aber die Art Wie und vor Wo das diskutiert sollte doch überdacht werden.

    Und jetzt kommt als nächstes gleich ein doch echt guter Schachzug der Bullen, diese Sache mit den Rockern:
    http://www.taz.de/!109565/
    Mehr Polemik geht wohl kaum, wenn sie schon keinen Durchsuchungsbefehl bekommen versuchen sie halt Konflikte zu schaffen wo eigentlich keine sind und „schützen“ ganz selbstaufopferungsvoll die vorher noch so verhassten! Das stinkt doch ohne Ende es gab meines Wissen von der Rocker Seite nie eine Drohung etc. in Richtung Göttingen oder? Warum die Taz sich so offensichtlich Instrumentalisieren lässt verstehe ich auch nicht.
    Als momentan Außenstehender, der nur Zugriff auf die Mails und Blogs hat, finde ich die Art wie der Vorfall dargestellt wird zutiefst beunruhigend. Nach den Kämpfen in den 90 er Jahren mit all den Opfern „Conni“ wird hier mehr über die „Kindergruppe“und die doch so schlimme Gewalt gegen Scheiben und Mobiliar gesprochen als über die Tatsache, dass die Nazis meinen hier ungehindert durch die Stadt ziehen wollen und so mal wieder das Bild der nur prügelnden und inhaltslos agierenden Antifas erzeugt.
    So mein subjektiver Eindruck aufgrund der mir vorliegenden Informationen.

    Ich möchte hier aber noch ausdrücklich allen Menschen danken die auf der Demo waren und somit ein klares Zeichen gegen diese Zustände gesetzt haben, manchmal geht es dann doch…

  13. retmarut sagt:

    1. Auch spontane antifaschistische Aktionen sollten ein Mindestmaß an Planung voraussetzen hinsichtlich Ziel, Methode und Wirkung. Das war hier offensichtlich nicht gegeben. Das laut Tathergang primäre Ziel, nämlich die drei Faschisten, wurde bei dieser Aktion sogar völlig verfehlt. Stattdessen wurde relativ sinnfrei das Tattoogeschäft demoliert. Letztlich ist die ganze Aktion einfach nur Panne, weil damit der bürgerlichen Reaktion und dem Polizeiapparat eine absehbare Steilvorlage gegeben wurde, um wahllos gegen linke Strukturen vorgehen zu können. Ich nenne so etwas fahrlässige Gefährdung linker Strukturen. Mit der Aktion bin ich, und das sehen sicher viele andere ebenso, nicht solidarisch. Solidarisch bin ich hingegen bei der gemeinsamen Abwehr der jetzt einsetzenden Repression und Kriminalisierung linker und antifaschistischer Strukturen und Initiativen. Und in diesem Sinne habe ich die Solidaritätskundgebung auch verstanden.
    Es reicht eben nicht aus, eine antifaschistische Gesinnung zu haben, sondern diese sollte sich auch in überlegten, zielgerichteten Handlungen ausdrücken. Dumpf-spontaneistisches Haudrauf unter Ausklammerung jeglicher Folgenabwägungen hilft nicht der antifaschistischen Bewegung, sondern schadet ihr. So ein Verhalten ist weder nach innen noch nach außen wirklich vermittelbar und gehört zu recht kritisiert.

    2. Die Aktion war – vollkommen unbeabsichtigt – ein Schlag in ein Wespennest und hat aufgezeigt, wie rasch die organisierte Kriminalität der Rockerszene, die hier vor einigen Monaten ihr Chapter aufgeschlagen hatte, bereits in der Innenstadt Fuß gefasst hat und augenscheinlich schon ein Wirtschaftsunternehmen dort betreibt. Ich denke, das gehört öffentlich thematisiert, weil das sogar noch eine weitaus gravierendere Entwicklung ist als 2-3 Nazis in der Innenstadt. Wohlgemerkt: Auch hierbei wären „Fanale“ und spontaneistisch-wirre Alleingänge höchst kontraproduktiv und ob des allen bekannten Handlungsrahmens dieser bewaffneten Rockerbande ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Auch hier gilt: den eigenen Kopf einschalten, nicht in Panik und Paranoia verfallen und v.a. die Gesamtentwicklung nicht aus den Augen verlieren.

    Daher: Nicht auf die kommenden Provokationen von Polizei, Nazis, Rockern oder anderen eingehen! Der beste Schutz vor Repression bleibt weiterhin Klappe halten und die eigene Wohnung (und den Rechner) sauber halten. Wer unsicher ist bzgl. korrektem Verhalten bei politischer Repression, sollte sich die einschlägigen Veröffentlichungen der Roten Hilfe dazu noch einmal durchlesen, u.a. „Was tun wenns brennt“ sowie die Aussageverweigerungsbroschüre der Roten Hilfe.

  14. Fernseherin sagt:

    Quod erat demonstrandum.

    Das ist aber ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt, würde ich sagen. Wir reden hier von einem Piercing- und Tattoostudio, dessen Betreiberin Verbindungen ins Rocker-Milieu hat. So what. Das macht weder Sie noch ihren Laden irgendwie kriminell. Kriminell ist es fast schon eher, solche Zusammenhänge öffentlich zu behaupten.

  15. calmacil sagt:

    Ich bitte euch, die hier rumspekulieren was war, wie das am Wochenende im Hintergrund abgelaufen sein könnte und ob sich irgendwelche Rocker jetzt in Göttingen niedergelassen oder nicht, um ein wenig mehr Realitätsgespür und Zurückhaltung!
    Lasst doch erstmal ein wenig Zeit vergehen und die Leute Luft holen! Das ganze ist grad mal ein paar Tage her

    Und bevor ihr – mit scheinbar großem Mitteilungsbedürfnis ausgestattet – öffentlich hier rumspekuliert, redet doch mal mit Leuten persönlich, wenn ihr die Möglichkeiten habt!

  16. mona sagt:

    ich möchte in diesem zusammenhang noch einmal darauf hindeuten, dass diese seite ein gefundenens fressen für skandalrünstige journalisten, wie auch staatlichen repressionsorganen darstellt. und daher möchte ich bitten, mit jeglichen ungesicherten informationen haus zu halten, und persönliche einschätzungen und spekulaationen, welche die geschichte noch weiter aufplustern (sowie unser autor hier) zu unterlassen.

  17. calmacil sagt:

    edit zu meinem letzten Kommentar: schließe mich Fernseherin an

  18. mona sagt:

    auch wüsste ich gerne, wann meine kommentare von den monsters frei geschaltet werden, wenn hier autoren schon selbst kommentare schreiben, dürfte es doch möglich sein dass diese meinen ersten kommentar, den ich gestern verfasst habe, einmal freischalten.

  19. mona sagt:

    auch anhand der inzwischen vorgenommen korrekturen wird ersichtlich, dass der autor unkritisch augenzeugen und polizeimitteilungen 1:1 übernommen hat – ohne jeglicher distanz. da andere medien nicht derart krass berichten, (krass i.S: der augenzeugenberichte bis zum sektglas und der livemusik den langen zitate) kann gefolgert werden, dass der autor skandalisierend öl ins feuer giessen möchte.

  20. Wieland Gabcke sagt:

    An H.P. Baxxter:

    Der Artikel wurde von mir mit den am Samstag Abend vorliegenden Informationen, sprich Zeugenaussagen, BekennerInnen-Schreiben, Gespräch mit Demoanmelder und, ganz zum Schluss, der Pressemitteilung der Polizei verfasst. Wenn ich noch einen Tag mit dem Artikel gewartet hätte, dann wäre auch die Stellungnahme der Kundgebung auf dem Marktplatz mit eingeflossen und die Gewichtung der Themen in dem Artikel hätte sich nochmal verändert (wie beispielsweise in meinem Radiobeitrag für das Stadtradio Göttingen vom 21.1.).

    Über die Gewichtung der Themen in dem Artikel und den in diesem Rahmen gewählten Stil lässt sich sicherlich streiten. Der Nachrichtenwert am Samstag Abend war aber: Ein Tattoo-Studio wurde von Vermummten angegriffen, weil dort Neonazis anwesend waren, die aber, dem Kenntnisstand vom Samstag Abend folgend, der in den darauffolgenden Tagen durch Polizei und Presse bestätigt wurde, mit der Ladeninhaberin nichts zu tun hatten.

    Die Angreifer*innen nahmen keine Rücksicht auf dort anwesende Kinder, was in einer Schilderung des Geschehens nicht einfach ignoriert werden kann, vor allem weil diese Rücksichtslosigkeit in den Augenzeugenberichten eine zentrale Stellung einnahm. Eine Gegendarstellung, beispielsweise in Form einer Pressemitteilung seitens der Angreifer*innen, stand mir nicht zur Verfügung. Es existierte lediglich ein Bekenner*innen-Schreiben im Internet, dass zu dem Vorgang des Angriffs selbst keine Stellung bezog.

    Dass die Schilderung des Tatvorgangs und die Rezeption durch die Betroffenen eine größere Gewichtung einnimmt, als beispielsweise in meinem Stadtradio-Beitrag vom 21.1., der Berichterstattung des Göttinger Tageblatts vom 21.1. oder der taz 23.1., liegt meiner Meinung nach auf der Hand.

  21. nichtschwarzweiss sagt:

    Ich wusste nicht das sich gewisse Clubs schon wieder in Göttingen angesiedelt haben. Das acht die Situation ja nicht gerade besser.

    @ Fernseherin das sogenannte „Rocker-Milieu besteht besonders wenn es um die H.A. geht aber ausschließlich aus kriminellen Netzwerken die mit Zwangsprostitution, Menschenhandel etc.. ihre Kohle machen. Der Mythos von den doch eigentlich ganz netten Rockern wurden in den letzten Jahren ja leider zu genüge im Fernsehen gezeigt. Ein gutes Beispiel bietet „Frank Hanebuth“ der über Jahre hinweg absichtlich von den Bullen nicht wirklich angegangen wurde, da die deutschen Rocker die ausländischen Gangs vom Rotlichtmarkt verdrängen sollten. Angeblich sei das ganze dann einfacher zu kontrollieren. So wurde u.a. auch in Hamburg verfahren und schon bald etablierten sich die Rocker und drängten andere aus den Bezirken. Erst als es der Krieg mit anderen Gruppen besonders im Norden Deutschlands eskalierte, sah sich die Polizei gezwungen doch mal was zu machen. Siehe SEK Einsatz in Hannover etc. Wer solche Leute bei sich im Laden hat ist nicht nur [edit/Mod.: entfernt] sondern auch [entfernt. Bitte versucht, das in akzeptablen Rahmen zu kommentieren]. Was die Frauen in den Bordellen durchmachen brauch ich hier wohl kaum zu erwähnen und das die Rocker „mal eben so“ vorbei kommen ist wohl auch eher unwahrscheinlich!

    @retmarut Im Prinzip würde ich dir ja Recht geben nur hat es in den letzten Jahren leider die Tendenz gegeben, dass die Theorie und das Gerede über Aktionen die Praxis fast zum erliegen gebracht hat. Sicher braucht es Vor und Nachbereitung, Diskussion etc. Nur was wäre denn gewesen hätten die das nicht gemacht? Vermutlich nichts kein Aufschrei, Keine Presse, keine enttarnten Rocker …
    Und nur leise zu sein und sich im Haus zu verbarrikadieren aus Angst vor Repression nützt wohl auch keinem, die Demos werden aj auch immer mehr zu vollkommen ab gefilmten Prügelorgien der BFE Sc****. Und da ist es ein Zeichen zu sagen wir gehen trotzdem raus und zeigen euch das das auch anders geht. Auch wenn die Repression, die eh immer existent ist jetzt vielleicht mal etwas anzieht. Was haben wir den für eine Wahl?Im Elfenbein-Turm zu sitzen und uns über die richtige Wortwahl zu streiten während der Aktionsradius draußen immer kleiner wird?

    Wie gesagt kann ich deine Kritik auch in dem anderen Artikel (Demo nach Räumung) nachvollziehen. Finde nur, dass Theorie und Praxis mal überdacht werden sollten. Und immer nur die einzigen zu bashen die sich überhaupt noch auf die Strasse wagen finde ich unfair. Wie gesagt wenn euch alle das soo sehr stört macht es doch besser, aber bitte nicht nur in der Theorie…

  22. mona sagt:

    nichmal: dieser monsters artikel ist in meinen augen absolut prätentiös und effekthascherisch.

    bereits die überschrift: nicht einmal das GT („Überfall auf Tattoostudio“) oder der extra tipp („Scheibenbruch!“) versucht dermaßen mit martialischen Begriffen aufzutrumpfen wie der Autor mit der „Zertrümmerung“ eines Studios(!) durch „Vermummte“ !
    Zertrümmern erinnert wohl mehr an kriegszustände, nach absoluter zerstörung, bei welcher nur trümmer übrig bleiben. 2000 euro schaden (extratipp) klingt da schon um einiges sachlicher, vor allem wenn man bedenkt, dass solche scheiben mit entsprechendem namenszug bereits sehr viel kosten dürften.

    weiterhin werden die nazis nur nebenbei und erst am ende des ersten absatzes erwähnt – NACHDEM kindergartenGRUPPRE, die jungen familien, und noch einmal die kinder im gegensatz zu den 10-20 rangestürmten vermummten, den baseballschlägern und dem trauma der kinder kontrastierend genannt werden und die sitution dadurch noch eindrucksvoller und dramatisiert erscheint.
    die nazis hingegen werden völlig untern teppich gekehrt.

    danach wird die werbetrommel für die tattoobesitzerin angeschmissen, eine liebliche feier mit sekt, livemusik und babies geschildert und dann kommen plötzlich wieder die schreienden frauen usw. – wieder die verstärkung durch kontrastierende schilderung.
    dafür, dass die personen traumatisiert und unter schock standen, hat der „reporter“ wirklich zahlreiche (irgentwie aber unwichtige details – livemusik und sekt? aha) details herausgefunden – hut ab.

    die tat ist definitiv unter aller sau gewesen, das steht ausser jeder frage!!!!! MIch macht es sehr wütend, dass so ein Mist verzapft wurde!

    Dieser artikel macht es mich aber auch.

  23. mona sagt:

    warum musste dieser artikel unter derartigem zeitdruck und dermaßen überstürzt erscheinen? es ist ja offensichtlich, dass keine kritische distanz zu den (in der situation wahrscheinlich sehr perplexen) augenzeugenberichten oder der darstellung seitens der polizei gemacht wurde. für die schwammige informationslage zu diesem zeitpunkt hätte man sehr wohl vorsichtiger schreiben können und seinen übereifer unter zaum halten können, anstatt der linken (und dahin läuft es für die öffentlichkeit leider raus beim stichwort „rote strasse“) dermaßen in den rücken zu fallen

  24. calmacil sagt:

    Beitrag zum Vorfall am 19.01.13 in der Roten Straße

    Gestern trafen sich BewohnerInnen des Wohnprojekts Rote Straße mit Jenny B. und ihrem Team in deren Laden, um, entgegen von außen lancierter Meldungen, klarzustellen, dass keinerlei Interesse an irgendeiner Auseinandersetzung mit dem Laden Jennys besteht. Sie drückten ihr Bedauern über den Vorfall am Samstag aus.

    Weder Jenny noch die BewohnerInnen der Rote Straße verstehen das anscheinende Interesse der Polizei einen Konflikt innerhalb der Roten Straße herbeizureden und damit Mutmaßungen über angebliche Hintergründe in der Öffentlichkeit noch weiter anzuheizen.

    Sowohl Jenny als auch die BewohnerInnen der Roten Straße positionieren sich klar gegen Nazis in der Stadt. Dennoch sprachen sich alle Anwesenden gegen eine Aktion wie am Samstag geschehen aus. Das Treffen endete einvernehmlich.

    .

  25. Fernseherin sagt:

    @ nichtschwarzweiss:

    – Das ist einfach sachlich nicht korrekt, sorry.

    Generelle Anmerkung: Wenn diese Seite ein „gefundenes Fressen“ für Journalisten und Behörden ist, dann liegt das vor allem an den brillianten Kommentaren und deplatzierten Diskussionen. Niemand zwingt hier irgendwen, Sachkenntnis, Gerüchte und Insiderwissen zum besten zu geben, trotzdem können es einige Leute nicht lassen. Das stößt auch bei uns Monsters auf Unverständnis.

  26. nichtschwarzweiss sagt:

    Ich würde zum Schluss nur gerne noch erläutern wie ich zu den dem gesagten komme:
    Meine Informationen waren: Tatoo Shop eröffnet, 3 Nazis plus Leute eines Rockerclubs anwesend die auch nicht gerade für ihre Weltoffenheit bekannt sind.
    Sollte das nicht stimmen sorry, aber wenn das zutrifft finde ich die Gelassenheit mit der hier das ganz zufälliges Treffen gesprochen wird irgendwie komisch. Und das nicht in der Hinsicht, dass beide Seiten anwesend waren sondern nur das die „Rocker“ anscheinend niemanden stören?

    Aber da hier ja nicht weiter diskutiert werden soll/kann, was sich mir auch nur in Teilen erschließt verabschiede ich mich jetzt.
    Nur sei noch gesagt das ich weder wegen den Leuten vom VS, Nazis, Burschis etc.die hier fleißig mitlesen mir den Mund verbieten lasse. Sollen die ruhig wissen was los ist, alles was ich gepostet habe findet jeder mit einer Suchanfrage bei allen gängigen Anbietern.

    Ich hoffe nur das sich das alles regeln wird und Ihr weiterhin die Stadt vor solchen Leuten schützt. Es lag wirklich in meinem Interesse hier einen riesen Streit vom Zaun zu brechen aber persönlich reden geht ja leider nicht.

  27. mona sagt:

    „[…]das alles regeln wird und Ihr weiterhin die Stadt vor solchen Leuten schützt“

    „Ihr“ ………..

  28. calmacil sagt:

    Stellungnahme zu den Vorfällen am 19.01.2013 in Göttingen

    von: autonome und antifaschistische Vollversammlung Göttingen

    Am Samstag, den 19. Januar, wurde in Göttingen eine
    Ladeneröffnungsfeier, bei der sich drei überregional bekannte Neo-Nazis
    befanden, von „einige[n] antifas“ (Eigenname im Bekenner_innenschreiben)
    angegriffen. Bei dieser Aktion gingen Scheiben und Inventar des Ladens
    zu Bruch. Menschen wurden dabei nicht verletzt; allerdings wurden andere
    Besucher_innen, darunter auch Kinder, gefährdet.

    Wir als autonome Vollversammlung halten die gelaufene Aktion für falsch
    und unverantwortlich:

    Von antifaschistischer Aktion erwarten wir, dass auch bei akutem
    Handlungsbedarf unter Berücksichtigung der Begleitumstände besonnen und
    umsichtig gehandelt wird. In Anbetracht der Tatsache, dass andere
    Handlungsoptionen gegen die anwesenden Neo-Nazis offen waren, können wir
    diese Aktion nur als Beispiel dafür betrachten, wie antifaschistische
    Praxis eben nicht aussehen sollte. Wir bedauern die Gefährdung
    Unbeteiligter und den Schaden, den die Ladenbetreiberin und die
    Besucher_innen erfahren haben.

    Göttingen, den 24.01.2013

  29. Bum tzk sagt:

    @ calmacil: Super, dank´ dir!!

  30. noname sagt:

    von der schöner leben liste:
    Hallo,

    wer ist denn eigentlich „die Vollversammlung“, waren wirklich alle autonomen AntifaschistInnen da? Es verwundert mich, wie schnell sich so ein beschlussfähiges Gremium mit Alleinvertretungsanspruch bilden kann. Aber davon mal abgesehen:

    Mir ist nicht ganz klar, woher dieser Drang kommt, sich in dieser Weise öffentlich zu äußern. Selbstverständlich gibt es immer die Notwenigkeit dazuzulernen, Aktionsformen zu diskutieren und ich finde, dass das auch öffentlich geschehen darf. Aber für mich macht das nur Sinn, wenn mit den getroffenen Aussagen auch der Anspruch verknüpft ist, über die einzelne Aktion hinaus Denkanstöße zu liefern. Dafür reichen mir die drei Sätze nicht, mir fehlen die Begründungen und Differenzierungen, um sie als vorwärtsorientierten Diskussionsbeitrag für einen neuen Aktionskonsens oder dergleichen zu betrachten. Mir erscheint das eher als willfährige Aburteilung von Aktivistis, um einem Donnerwetter in der Mainstream-Öffentlichkeit vorzubauen. Die Debatte wird beendet, anstatt sie zu eröffnen.

    Ich habe keine besonderen Infos zu dem Vorfall, vielleicht gab es die ja in der „Vollversammlung“. Aber eine öffentliche Erklärung muss ja auch ohne exklusive Hintergrundinfos funktionieren, daher hier meine Kritik zu den drei Argumenten/Spiegelstrichen in der Erklärung:

    1.) [vorherige Information der Besitzerin und Gäste] Wenn ich so eine Feier beobachten würde und sehe, dass sich da mehrere bekannte, organisierte Nazis im halböffentlichen Raum in Göttingen treffen – was ja durchaus ungewöhnlich ist – würde ich sehr misstrauisch. Es liegt nahe anzunehmen, dass da eine rechtsoffene oder schlimmere Party läuft. Bei einer geschlossenen Gesellschaft hätte ich das sofort unterstellt, bei einer ganz öffentlichen eher nicht, bei so einer Veranstaltung käme es darauf an. Falls die Nazis als solche klar erkennbar sind und offen auftreten, würde mir aber schon ein einziger genügen, um das Vertrauen in die VeranstalterInnen zu verlieren. Ich hätte größte Bedenken dann dort reinzugehen und den Platzverweis für die Nazis zu fordern. Zumal man ja auch nicht wissen kann, wie der Rest der Gäste so drauf ist. Der aktuelle Fall bestätigt ja diese Bedenken, denn die offenbar auch anwesenden Rocker darf man (sofern sie diesen weithin bekannten zwei Clubs angehören) wohl getrost als Teil einer gewalt- und rechtsoffenen Gruppierung betrachten. Weil man nicht reingehen will, muss man nicht gleich eine Scheibe und Inventar zerschlagen, man sollte den möglichen Irrtum einplanen und es gibt ja noch viele andere Aktionsformen. Den Anspruch in so einer Situation aber immer zunächst reinzugehen, würde ich nicht erheben.

    2.) [Gefährdung Unbeteiligter] Die Gefährdung Unbeteiligter ist selbstverständlich problematisch. Allerdings kann man Gefährdungen nie ganz ausschließen. Auch ein Latschdemo kann zu einem Auffahrunfall führen oder man verletzt die eigenen Leute mit einem Böller oder provoziert die BFE, welche bei ihrer Prügelattacke dann jemanden umrennt o.ä.. 100%ige Sicherheit für Unbeteiligte kann es nicht geben. So allgemein formuliert ist der zweite Punkt eine Gratiskritik, die immer passt, wenn etwas passiert ist. Man müsste es präziser ausdrücken, z.B. so: „Die Handlung der AktivistInnen hätte unmittelbar zur Verletzung Unbeteiligter führen können.“ _Aber_ ich frage mich schon, ob das wirklich so war. Hat jemand „TäterInnenwissen“ preisgegeben oder als AugenzeugIn/Opfer berichtet? Ich würde erst einmal unterstellen, dass die Aktivistis unbeteiligte Kinder und Erwachsene zumindest nicht gefährden wollten, dass es kein Zufall war, dass dann auch nichts passiert ist. Ich finde es denunziatorisch, gleich drei Mal in so einer Erklärung implizit das Gegenteil zu unterstellen. Und selbst wenn man es weiß, bedeutet diese Aussage, unnötig Stimmung und Material für die Repressionsorgane zu liefern. Das nützt niemand – weder den Gefährdeten, noch der Bewegung, noch hilft es den Lernprozess der Aktivistis voranzutreiben. Dieser zweite Punkt ist – ob wahr oder nicht – eine Aussage zur Sache, die allen Grundsätzen des Repressionsschutzes widerspricht.

    3.) [Ziel nicht erreicht] Der dritte Punkt leuchtet mir nicht ein. Schon mal grundsätzlich nicht, weil die Zielerreichung von tausend Dingen abhängt, die man vor einer Aktion nicht wissen kann. Zudem bin ich der Meinung, dass das Ziel des entschlossenen Entgegentretens in diesem Fall durchaus erreicht wurde. Für mich sieht es so aus, als würde das rudelige Auftauchen der Nazis eine unmittelbare und sehr eindeutige Reaktion erzeugen. Ich denke, dass das die Spielräume der Nazis verengt und das Sicherheitsgefühl der von ihnen bedrohten Leute erhöht. Auch der Markierungscharakter „hier keinen Fußbreit für Nazis“ wird erreicht, meine ich. Es gibt sogar noch einen Kollateral-Erfolg der Aktion: Die Ladenbesitzerin hat sich im GT ablehnend zu Nazis geäußert und damit einen nachvollziehbaren Irrtum (siehe 1.) der Aktivistis offenbart. Ich sehe die Aktion daher als effektiv an, ob sie auch effizient war – also Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis stand – ist eine andere Debatte. Denn man darf sich schon fragen, um welchen Preis das Ziel erreicht wurde, ob es nicht andere Möglichkeiten gegeben hätte etc.. Schließlich wird „die“ Öffentlichkeit solche Aktionen nicht unbedingt begrüßen und „die“ Antifa dafür sicher nicht lieben. Möglicherweise bekommen nun auch die falschen Leute Angst vor AntifaschistInnen, werden aggressiv ihnen gegenüber, verlieren das Vertrauen in den Schutz Unbeteiligter o.ä.

    Also mein Fazit: Der erste Punkt geht mir zu weit, den dritten Punkt teile ich nicht (Zielerreichung) bzw. halte ich für leicht reparabel (Unterstellung), der zweite Punkt ist eine Aussage zur Sache ohne sichere Grundlage, die nur den Repressionsorganen hilft. Die Erklärung ist für mich ein unzulänglicher und nicht zwingend erforderlicher Schnellschuss mit negativen Effekten in die Bewegung und nach außen.

    Vielleicht haben hier Aktivistis einen Fehler gemacht. Aufgrund der üblicherweise doch einigermaßen reflektierten Verhaltensweisen solcherart antifaschistisch aktiver Menschen, würde ich aber zunächst einmal unterstellen, dass sie bereit sind aus Debatten zu lernen und aus Fehlern Konsequenzen zu ziehen. Auf dieser Basis sehe ich eine öffentliche Abrechnung und Entsolidarisierung hier nicht als begründet an. Die „Vollversammlung“ ist zu einem anderen Beschluss gekommen, plausibel begründet hat sie diesen für mich als Nicht-Teilnehmer nicht.

    Mit solidarischen Grüßen

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